Der Kristall am Holzhafen Hamburg

Bebauungen in hochwasser- und flutgefährdeten Bereichen stellen hohe Anforderung an die Abdichtung. Auch wenn dieser Lastfall nur sehr selten und auch nur kurzzeitig eintritt, ist die Qualität der eingesetzten Produkte und die sichere Ausbildung der kritischen Details für den Schutz der Bausubstanz von entscheidender Bedeutung. So auch bei der Bebauung des Areals am Alten Holzhafen in Hamburg–Altona.

Eigentlich ein Diamant

Der 85 m hohe Twintower „Kristall am Holzhafen Hamburg“ wurde vom renommierten niederländischen Architekten Kees Christiaanse entworfen und ist neben dem Bau der Elbphilharmonie die wohl zurzeit auffälligste Baustelle im Hamburger Hafen. Im ältesten noch vorhandenen Hafenbecken entsteht neben dem Wohnturm noch das Bürogebäude „Holzhafen West“.
Der „Kristall“ schließt die Lücke in der Perlenkette zwischen Fischmarkt und dem im Juni 2011 eingeweihten Kreuzfahrtterminal Altona. Neben dem 20geschossigen Wohnhochhaus mit den Eigentumswohnungen besteht das Ensemble noch aus zwei Bürokomplexen, dem „Holzhafen West“ und dem bereits früher fertig gestellten „Holzhafen Ost“. Der Bauherr, die B&L Gruppe aus Hamburg, hat hier ein wahres architektonisches Highlight geschaffen.

Zeitweise unter Wasser

Da die Eingangsebenen der Gebäude und die Zufahrt zur Tiefgarage bei Sturm- oder Hochfluten unterhalb des Wasserspiegels liegen können, sind aufwendige Sicherungsmaßnahmen notwendig. Diese wurden durch wegklappbare Barrieren und Fluttore realisiert. Die horizontalen Abdichtungen der Freizonen erforderten aber besondere Maßnahmen.

Die Anschlüsse an aufgehende Bauteile mussten absolut dicht ausgeführt werden, die Anbindungen an Dehnfugenkonstruktionen mussten so ausgeführt werden, dass Oberflächenwasser  über die Dehnfugen am Gebäudesockel vorbei abgeleitet werden kann, aber auf der anderen Seite ein Unterlaufen der Flächenabdichtung verhindert wird.

Für die Detailausbildung schlug das ausführende Abdichtungsunternehmen, B+H Flachdach- und Abdichtungs- GmbH aus Hamburg, Flüssigkunststoff vor. Die Übergänge von der Flüssigkunststoffabdichtung des Anschlusses und der Flächenabdichtung aus Polymer-Bitumenbahn wurden zusätzlich durch eine Verflanschung mit Verbundankern und einem Flachstahl aus V4A gesichert. Entgegen der ursprünglichen Variante wurde die Bitumenabdichtung zwischen 2 Lagen Flüssigkunststoff  eingebettet. Durch diese geänderte Arbeitsweise können Detailabdichtungen unabhängig vom Fortschritt der Flächenabdichtung erfolgen und die Verbindung zur Fläche kann später in einem weiteren Arbeitsgang sicher erfolgen.

Auf Dauer dicht

Der eingesetzte Flüssigkunststoff ist WIDOCRYL-Detail der Widopan Produkte GmbH. Das Material besteht aus einer Harzkomponente auf Basis von PMMA-Harzen und einem Härter. Als Armierung wird ein Polyestervlies mit einer Gewebeverstärkung eingesetzt. Der Untergrund aus Beton muss vor den Abdichtungsarbeiten von haftmindernden Substanzen befreit werden und mit einem Haftgrund, ebenfalls auf PMMA-Basis, grundiert werden. Die Bitumenbahnen werden ebenfalls grundiert, um einen guten Verbund zu erzielen.  Die Stahlwinkel und –bleche, und abhängig ob aus verzinktem Stahl oder aus Edelstahl, erfordern keine Grundierung.
WIDOCRYL-Detail ist ein zweikomponentiges Flüssigkunststoff - Abdichtungssystem auf Basis von PMMA mit einer Armierung aus Polyestergittervlies, das ursprünglich für die Abdichtung und Detaillösung auf Flachdächern entwickelt wurde. Wegen der einfachen Verarbeitung und der Materialeigenschaften lässt sich dieses Material bei der Lösung der meisten Abdichtungsprobleme einsetzen.
Das Material wird erst auf der Baustelle zu einer arbeitsfertigen Mischung hergestellt. Das ausgehärtete Material ist dauerelastisch, rissüberbrückend, UV-stabil und alterungsbeständig. Für das Produkt ist die Europäische Technische Zulassung gemäß ETAG erteilt.

Die Verarbeitung

WIDOCRYL-Detail wird auf dem Untergrund vorgelegt, das Polyestergittervlies eingerollt und WIDOCRYL-Detail nachgelegt, bis das Vlies vollständig getränkt ist. Beim Einrollen der Vlieseinlage werden Lufteinschlüsse mit Perlonrollern ausgewalzt. So entsteht Stück für Stück in einem kontinuierlichen Arbeitsprozess eine homogene und rissüberbrückende Abdichtung ohne Klebnähte. Die Vliesbahnen sollen dabei eine Überdeckung von mindestens 5 cm untereinander haben.
Die Wahl zugunsten des Flüssigkunststoffs fiel aufgrund guter Erfahrungen ähnlicher Produkte, die bereits bei den Anschlüssen an die Stahlprofile der Fluttore an diesem Objekt eingesetzt  wurden.

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