Sanierung von Dachflächen mit PUR-Ortschaum
In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, aber auch noch bis weit in die 90er hinein, wurden Dächer mit Abdichtungen, dies sind im allgemeinen Flachdächer und Dächer mit sehr unregelmäßigen geometrischen Formen, häufig mit gespritztem Polyurethan-Schaum „saniert“. Von dieser Sanierungsart versprach man sich in erster Linie eine alles überdeckende Abdichtung, die keine Schwachstellen offen ließ und man argumentierte mit einer zusätzlichen Wärmedämmung, die bei dem gestiegenen Umwelt- und Energiebewusstsein auf großes Interesse stieß. Die Nachteile, die man sich mit dieser Dachsanierung einkaufte, wurden nicht weiter erörtert und waren zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich auch nicht vorrangig.
Alle Altlasten wurden unter einem Mantel aus Polyurethan versteckt! Dann noch ein silberner Überzug und das Dach erstrahlt in neuem Glanz. Hört sich an wie in einem Märchen. Und dies war wohl auch eins. Denn die ersten Probleme mit dem neuen Dach ließen oft nicht lange auf sich warten.
Nun liegen diese damals sanierten Dächer seit einem Vierteljahrhundert auf vielen Gebäuden in Deutschland. In den meisten Fällen handelt es sich um Industriedächer, eher selten sind Wohngebäude mit diesem Dachbaustoff anzutreffen, noch seltener kommen sie bei Einfamilienhäusern vor. Auch einige öffentliche Gebäude, z. B. Schulen, wurden mit PU-Schaum saniert.
Wenn dann die Sanierung der Sanierung ansteht, kommt das böse Erwachen: Die Beschaffenheit des Untergrundes, die Unterkonstruktion und der alte Dachaufbau sind nicht mehr zu erkennen. Oft wurden auch vorhandene Wellplatten aus Asbestzement unter dem PU-Schaum endgelagert. Durch die Lichteinwirkung über einen langen Zeitraum ist der PU-Ortschaum offenporig geworden und große Mengen Wasser wurden von dem Dämmstoff aufgesogen. Nicht selten kommen Flächengewichte von 50 und mehr kg/m² vor. Um auf dem Dach eine neue Abdichtung aufzubringen, scheiden die herkömmlichen Methoden wie Aufschweißen, Verkleben oder mechanisch Fixieren in den meisten Fällen aus. Die Oberflächenbeschaffenheit lässt kein kraftschlüssiges Verschweißen oder Verkleben zu. Die mechanische Fixierung von Dachbahnen, welcher Art auch immer, scheidet wegen der sehr unterschiedlichen Dicken des aufgetragenen Schaums aus.
Außer dem Komplettabriss kommt eigentlich nur die Sanierungsvariante mit Flüssigkunststoff in Frage!
Mit dem Abriss sind zu dem noch sehr hohe Entsorgungskosten einzuplanen. Bei einem Dachpaket von ca. 25 cm Dicke, einschließlich alter Abdichtungslagen und mindestens 2 Lagen mehr oder weniger durchfeuchteter Dämmstoffe kommen schnell Gewichte von 50 bis 80 kg/m² zusammen. Gemischter Bauschutt mit Bitumen-, Kunststoff- und Dämmstoffanteilen verursacht in Deutschland ca. 220,- €/t Deponiekosten. So muss man schon mit bis zu 15,- €/m² oder sogar mehr für die Entsorgungskosten einplanen. Lohn- und Abrisskosten noch nicht einmal mitgerechnet. Damit lässt sich leicht schon ein Teil der neuen Abdichtung aus Flüssigkunststoff finanzieren.
Die Vorteile der Dachsanierung mit Flüssigkunststoff liegen in den produktspezifischen Eigenschaften dieser Materialien. Mit dem Flüssigkunststoff WIDOPAN-FD und einer Armierung aus Polyestergittervlies lässt sich jede Dachform und jedes noch so schwierig erscheinende Detail passgenau und langzeitsicher ab- bzw. eindichten. Die Abdichtung lässt sich zu nahezu jedem Untergrund mit der richtigen Untergrundvorbereitung kraftschlüssig herstellen. Vorraussetzung ist allerdings, dass der Untergrund tragfähig ist und sich die Schichten des PU-Ortschaums noch nicht großflächig von einander getrennt haben. Ist dies der Fall, müssen die losen Bereiche abgetragen werden. Abgetragene und aufgebrochene Stellen im PU-Schaum können mit Montageschaum, der nach Aushärtung bearbeitet werden kann, oder mit geeignetem losem Dämmmaterial, das verfestigt werden kann, aufgefüllt werden. Besonders dazu geeignet ist der WIDOPERL-Polymer-Leichtestrich.
Die vorhandene, wenn auch sanierungsbedürftige Abdichtung wird während der Abdichtungsarbeiten nicht mehr als notwendig beeinträchtigt. Dadurch ist die Nutzung des Gebäudes auch während der Dachsanierung uneingeschränkt möglich. Kein Produktionsstopp oder gar die Auslagerung von Produktion ist notwendig. Unabhängig vom Betriebsablauf wird die Dachfläche saniert.
Die Vorgehensweise
Die vorbreitete Dachfläche, das heißt, alle Verunreinigungen, lose Teile, Blasen und Falten wurden entfernt, wird mit WIDOPAN-Haftgrund grundiert. Stützen, Durchführungen und andere Metalluntergründe wurden, wenn nötig, vorher entrostet und dann grundiert.
In die noch frische Grundierung wird Quarzsand in der Körnung 0,3 –0,8 mm eingestreut, damit die Widopan-Abdichtung eine bessere Haftung zum Untergrund erhält. Auch an den Anschlüssen. Ist die Dachfläche so grundiert, kann mit den Abdichtungsarbeiten begonnen werden. Für die beschriebene Dachsanierung wurde das Material WIDOPAN-FD gewählt.
WIDOPAN-FD ist ein mehrkomponentiges Flüssigkunststoff - Abdichtungssystem auf Basis von Polyester -Elastomer mit einer Armierung aus Polyestergittervlies. Es wird erst auf der Baustelle zu einer arbeitsfertigen Mischung hergestellt. Das fertige Material ist dauerelastisch, rissüberbrückend, UV-stabil und alterungsbeständig. Durchfeuchtete Untergründe können austrocknen, da das Material mit einem µ-Wert von 6.000 als äußerst wasserdamfpdiffusionsoffen gilt.
Die Verarbeitung
WIDOPAN-FD wird auf dem Untergrund vorgelegt, das Polyestergittervlies eingerollt und WIDOPAN-FD nachgelegt, bis das Vlies vollständig getränkt ist. Beim Einrollen der Vlieseinlage werden Lufteinschlüsse mit Perlonrollern ausgewalzt. So entsteht Stück für Stück in einem kontinuierlichen Arbeitsprozess eine homogene und rissüberbrückende Abdichtung ohne Klebnähte. Die Vliesbahnen sollen dabei eine Überdeckung von mindestens 5 cm untereinander haben.
Bei den Anschlüssen wird das für den Anschluss passend zugeschnittene Vlies im fertigen WIDOPAN-FD getränkt und dann an das Rohr oder die Stütze angepasst.
Mit dieser Anwendungstechnik lassen sich schwierigste Abwicklungen und Anschlüsse sicher eindichten und homogen mit der Flächenabdichtung verbinden. So werden die bekannten Schwachstellen dauerhaft gesichert.
Als großer Vorteil stellt sich auch die helle und reflektierende Abdichtung gegenüber einer schwarzen Dachdichtung dar - Die Aufheizung der Dachoberfläche ist geringer und thermische Wechselwirkungen wirken sich nicht so stark auf die Gebäudekonstruktion und besonders auf die Anschlüsse aus.
Dadurch, dass direkt auf der vorhandenen Abdichtung aus PU-Ortschaum mit dem Flüssigkunststoff WIDOPAN-FD gearbeitet werden konnte, wurde die Nutzung des Gebäudes während der Sanierungsarbeiten nicht beeinträchtigt.